Das quallige Q

Quellwolken überquerten das quadratische Quallenmeer. Im Wasser quiekten die Quallen bei ihrer morgendlichen Partie Quallenfußball, wo sie voller Freude den kleinen Igelfisch Ingo mit ihren Nesseln durch das Wasser schubsten. Für Ingo war dies wie eine lustige Fahrt auf der Achterbahn, da er oft nicht mehr wusste, wo oben und unten war.



Der kleine Igelfisch fand es mindestens so lustig wie die quietschenden Quallen. Das Einzige, was ihn wunderte, war, dass er das Gesicht eines ziemlich traurigen Tieres erblicken konnte, wenn er nach oben sah. In letzter Zeit schaute es öfters beim Quallenfußball zu, aber Ingo hatte den Eindruck, dass es jedes Mal etwas trauriger aussah als das mal davor.

Als das Spiel vorbei war und sich die Quallen aufteilten für Seeigel Ping-Pong, nutzte Ingo die Gelegenheit, bei Quincy nachzufragen. Er war die älteste und größte Qualle im Quallenmeer, und er wusste so gut wie alles. Ihm war der ungewöhnliche Beobachter noch gar nicht aufgefallen. Gefolgt von Ingo schwamm er etwas näher an die Wasseroberfläche heran. Obwohl am quadratischen Quallenmeer doch schon so ziemlich jedes Tier vorbeigekommen war, hatte er dieses Tier noch nie gesehen. Zu Ingo, dem kleinen Igelfisch gewandt, sagte er nur: „Wenn du mich fragst, was das hier ist, dann würde ich es ein dreckiges Zebra nennen. Das ist zumindest, das woran es mich als erstes erinnert. Falls du es ganz genau wissen willst, dann warte doch, bis Quark der Quakfrosch mal wieder vorbeikommt, der kann sich die Zuschauerin dann mal genauer vom Trockenen ansehen.“ Diese Idee gefiel Ingo. Die Wartezeit würde Ingo sich vertreiben, in dem er beim Quallen-Ping-Pong den Schiedsrichter machte. Denn ihr glaubt ja gar nicht, wie oft die quatschenden Quallen versuchten, Schmu zu machen, denn wenn Quallen etwas nicht leiden können, dann ist es verlieren. Das ist auch der Grund, warum sie jeden Tag Quallenfußball spielen, weil die Verlierer immer sofort nach einer Revanche rufen.

Am Ufer des Quallenmeeres stand Quinn und beobachtete mit ihrem nachdenklichen Blick die Spielereien im Wasser. Sie mochte es, dem bunten Treiben Unterwasser zuzuschauen. Alles ging durcheinander, und oft konnte man vor Quallennesseln, so nennt man die Arme von diesen glibberigen Tieren, den Ball nicht mehr erkennen. Quinn fragte sich immer, ob das den kleinen Igelfisch nicht furchtbar kitzelte, wenn ihn ständig so viele Arme packten und ihn querbeet durch das Wasser kugelten.



Fast wäre sie mit einem lauten Quieken ins Meer gefallen, als es neben ihr plötzlich laut Quakte und eine Querflöte ertönte. Quinn traute ihren Augen kaum. Da stand ein ziemlich frecher Quakfrosch mit einer Querflöte in der Hand und lachte sich quallig, weil er Quinn so erschrocken hatte. Doch damit nicht genug. Er sprang ins Wasser, aber ging nicht unter. Quark hüpfte auf den Schirmen der Quallen über das Meer als wären es Steine. Vom Ufer des quadratischen Meeres sah es so aus, als würde der Frosch über das Wasser laufen. Wäre Quinn nicht so sauer auf ihn gewesen, hätte sie das bestimmt genauso magisch gefunden wie der kleine Igelfisch. Als er das Quengeln der Quallen bemerkte, die es alle überhaupt nicht mochten, wenn Quark ungefragt auf ihren Schirmen rumhüpfte, schwamm Ingo direkt an die Meeresoberfläche.

„Quark“ fing er an. „Kannst du mir einen Gefallen tun?“ „Kommt darauf an.“

„Kannst du herausfinden, was für ein Tier uns immer vom Ufer aus beobachtet? Es guckt immer so traurig.“ „Ach, das. Ich weiß, was das ist.“ „Oh super. Was denn?“ „Eine dumme Kuh.“ „Bist du sicher? Quincy hat gesagt, es ist ein dreckiges Zebra, und ich glaube auch nicht, dass das Tier Flecken wie eine Kuh hat.“ „Okay, okay, ich finde es für dich raus, mein Freund.“ Quark sprang wieder über die Quallenschirme ans Ufer, wo Quinn noch immer stand. Als sie den Frosch kommen sah, wich sie allerdings einige Schritte zurück. Der Frosch war ihr nicht geheuer.

„Quak! Ich soll fragen, was für ein Tier du bist. Bist du ein dreckiges Zebra?“ Qinn schaute schockiert! „Natürlich bin ich kein dreckiges Zebra! Ich bin das letzte Quagga!“ „Quallenquatsch und quietsche Quitte! Was ist bitte ein Quagga?“ „Ein Quagga ist eine Mischung aus Pferd und Zebra. Wir haben vorne Streifen und oft braunes Fell und einen ganz weißen Popo ohne jeden Streifen.“ Quark sprang um Quinn herum. Tatsächlich. Der Po war schneeweiß, ohne den kleinsten Zebrastreifen. Quark war beeindruckt. „Und warum bist du das letzte Quagga?“ „Das weiß ich nicht. Die anderen sind alle nach und nach verschwunden, und nun gibt es nur noch mich. Die anderen Tiere wollen nicht mit mir spielen, weil sie Angst haben, dass sie dann auch alle mit der Zeit verschwinden. Also beobachte ich die Quallen beim Quallenfußball, da fühle ich mich weniger alleine.“ Quark, der sonst immer so cool war, hatte mit seinen Tränen zu kämpfen. Er hatte eine ziemlich gute Vorstellung davon, was mit den ganzen Quaggas passiert sein könnte. Denn er hatte in seinem Froschleben schon so einige echt gemeine Menschen getroffen. Da er auf keinen Fall vor Quinn weinen wollte, sprang er einfach wortlos davon.

Am nächsten Morgen stand Quark schon aufgeregt am Ufer des quadratischen Quallenmeeres und wartete drauf, dass das letzte Quagga sich endlich blicken lassen würde. Quinn wirkte heute noch trauriger als gestern. Als sie Quark am Ufer sah, huschte allerdings ein kleines Lächern über das Gesicht der Quaggadame. Aufgeregt hüpfte der Quakfrosch ihr entgegen. „Du darfst heute nicht beim Quallenfußball zusehen.“ Quinn ließ den Kopf hängen, und ihr Herz wurde so schwer wie Stein. „Nein, halt! Du darfst nicht zusehen, weil du mitspielen wirst!“ Quinn hatte es die Sprache verschlagen. Niemand hatte sie seit ewig zum Spielen eingeladen. Aber wie sollte das gehen? Sie konnte doch gar nicht schwimmen. „Die Quallen machen für dich eine Quallen-Unterwasser-Wolke, auf die du dich setzten kannst und dann schwimmen sie mit dir durch das Wasser. Es gibt nur eine Regel für dich. Du darfst Ingo nicht mit den Hinterbeinen aus dem Meer katapultieren.“


Von da an konnte man jeden Morgen am quadratischen Quallenmeer beobachten, wie das letzte Quagga im Sitzen über das Wasser glitt; mit einem der schönsten Quaggalächeln, die man je gesehen hatte.


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Falls Du mehr über Ingo Igelfisch erfahren willst, dann lies doch mal die Geschichte von dem irritierenden I.


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Ausmalbilder_Q
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