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Das vanillige V

Das Vanilleeisfeld am Fuße des Vulkans Vase war ein verführerischer Ort, besonders wenn der Vollmond mit seinem warmen Licht über die Venus strahlte. Es war das Feld von Video, dem verfressenen Vampir mit dem violetten Vollbart. Er saß mit seiner Violine auf dem Vorsprung seines Hauses und beobachtete, wie die Vanilleeisberge durch das Licht des Vollmondes immer größer wurden. Seit er als Vampirchen mit seinem Vater den Vanilleeisbergen beim Wachsen zugesehen hatte, liebte er den Beruf des Vanilleeisbauern.



Doch die bevorstehende Vanilleeisernte bereitete ihm Sorgen, nicht wegen der Eismenge, sondern wegen der komplizierten Verteilung. Sein Haus lag im Vorort des Vulkans Vase, benannt nach seiner eigenartigen Form, die an eine Blumenvase erinnerte. Um das Ganze noch kurioser zu machen, blühten am Vulkankrater alle vierzig Tage viele hunderte Veilchen.


Auf der gegenüberliegenden Seite des Vulkans befand sich eine alte verbeulte Villa, die von verrückten Vogelscheuchen bewohnt wurde – allesamt Liebhaber von Vanilleeis. Das Problem war, dass Vogelscheuchen nicht besonders beweglich waren. Das Vanilleeis musste also zu ihnen gebracht werden, bevor daraus Vanillepudding wurde. Video konnte nicht mehr fliegen; sein violetter Vollbart, hinter dem er seinen Vanilleeisbauch versteckte, war inzwischen zu lang und schwer. Er zog ihn ständig nach unten beim Fliegen. Sein letzter Flug über den Vulkan endete beinahe in einer Katastrophe, als sein Vollbart Feuer fing.



Seitdem überließ er den Veilchenohrkolibris die Vanilleislieferung über dem Vulkan. Doch die Vögel hatten Angst vor den Vogelscheuchen und ließen das kostbare Eis wie klebrige Wasserbomben fallen, sobald sie einen Blick auf die vergesslichen Gestalten warfen. Video hatte es auch schon mit laufenden Eislieferanten versucht; diese hatten keine Angst vor den Vogelscheuchen, aber beim Überqueren des Vulkans verbrannten sie sich oft die Pfoten, und das Vanilleeis schmolz einfach von der Hitze des Vulkans.

Der Vampir versuchte sogar, das Eis durch eine Vollkornwaffel vor der Hitze zu schützen, aber auch dieser verzweifelte Versuch endete in einem Fiasko. All das beschäftigte Video gerade, als ihn etwas am Knie krabbelte. Er dachte erst, es sei ein kleiner, vierbeiniger Vielfraß, aber zu seiner Überraschung war es eine handgroße, verflixt haarige Spinne. Verblüfft beobachtete er diesen nächtlichen Besucher und stellte sich dann vor.


„Guten Abend, ich bin Video, der Vanilleeisbauer. Wer bist du denn? Ich habe dich hier noch nie gesehen.“

„Guten Abend, ich bin Vivi und erst vor kurzem mit vielen Freunden hier auf der Venus angekommen. Wir überlegen noch, was wir hier machen könnten.“

„Das klingt, als hättest du eine lange Reise hinter dir“, antwortete der Vampir. „Willst du vielleicht etwas Vanilleeis zur Stärkung? Was würdest du denn gerne machen?“

Vivi sah Video freundlich an, während sie mit dem Kopf schüttelte. „Danke, aber Dinge mit Vanille mag ich überhaupt nicht, und kalte Dinge auch nicht. Ich mag lieber ein vegetarisches Schnitzel. Ich würde gern etwas machen, wobei ich fliegen kann“, gab die Spinne zurück. „Ich mag fliegen, wie ich bei unserer Reise hierher gelernt habe.“

Der verträumte Video schaute nicht schlecht, als er das hörte. Eine Spinne, die fliegen wollte, das war ja so verrückt wie ein Jaguar auf dem Jupiter!

Doch seine Vampiraugen funkelten, denn das brachte ihn auf eine noch verrücktere Idee. Er lud Vivi in sein Haus ein, briet ihr ein leckeres vegetarisches Schnitzel und erzählte dabei von seinem Einfall.



Als Video am nächsten Morgen sich zur Ernte auf das Vanilleeisfeld begab, war er so gut gelaunt wie lange nicht mehr. Von weitem waren schon die Veilchenohrkolibris zu hören, als sie mit ihrem Vogelgesang über den Vulkan flogen. Vivi und ihre Freunde warteten am Haus des Vanilleeisbauern darauf, dass die Vollkornwaffeln mit Vanilleeis beladen wurden. Dann krabbelten die Spinnen auf das Eis, spannten ihre Beine darüber und hielten es samt der Vollkornwaffel ganz fest. Die Vögel wiederum ergriffen behutsam die Spinnen an ihrem Po und erhoben sich dann in die Lüfte mit den Spinnen, die das Eis umklammerten. Die Veilchenohrkolibris flogen die Spinnen samt dem Eis über den Vulkan, bis der Boden wieder kalt genug war, um darauf zu laufen. Das letzte Stück bis zu den Vogelscheuchen luden die Spinnen das Eis mitsamt der Waffel auf ihren Rücken und flitzten zur Villa.


Mit der genialen Erfindung der Vogelspinnen konnte Video, der verträumte Vampir, nun endlich auch sein leckeres Eis auf der anderen Seite des Vulkans verkaufen.


Mehr Abenteuer mit Planet Wortschatz könnt ihr ab dem 08. Januar erleben, wenn wir zusammen auf Safari gehen.


Mehr Informationen und Anmeldung unter:


Falls Du mehr über den Jaguar auf dem Jupiter erfahren willst, dann lies doch mal die Geschichte vom jungen J.


Zum Ausdrucken und Mitmachen:



Das_vanillige_V
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Ausmalbilder_V
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Download PDF • 1.40MB
Arbeitsblätter_V
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