Das irritierende I

Igor war ein Mann so groß wie ein Indianerhäuptling. Jetzt gerade machte er sich bereit für seine Reise in den Indischen Ozean, um die Igel-Insel zu überprüfen, oder wie er es nannte zu inspizieren. Schließlich war er ja ein Insel-Inspektor. Er traf auf eine schöne, idyllische Insel.

Da gab es einige immergrüne Palmen und immens viele Irisblumen die immerzu blühten. Als die Sonne unterging traute er seinen Ohren nicht, plötzlich wehte eine zarte Melodie über den Strand. Er untersuchte die Angelegenheit und war ziemlich irritiert, als er sah, woher die Musik kam. Auf den lila Irisblumen hatten die verschiedensten Insekten Platz genommen, zückten ihre etwas zu großen Instrumente und spielten die wunderschönsten Insellieder.

Igor fragte sich, wo sie wohl die Instrumente her hatten. Der Inspektor wurde neugieriger und neugieriger. Er wollte nicht abreisen, sondern das Rätsel dieser geheimnisvollen Insel lüften. Immer öfter fand er auf höhergelegenen Stellen der Insel winzige Fußspuren; sehr klein, sehr dünn und mit fünf Zehen. Manchmal fand er auch im Gebüsch ein paar spitze Stacheln, die nicht so aussahen als ob sie von den Pflanzen seien. Er hob sie auf und klebte sie an sein Stirnband um sie nicht zu verlieren.

Igor untersuchte all das sehr genau, aber außer den interessanten Insekten schien auf der Insel niemand sonst zu leben. Als er abends am Strand saß, dem Klang der Instrumente lauschte und seine Füße in das indigoblaue Wasser tauchte, da sah er einen kleinen Igelfisch im Wasser umher schwimmen, der traurig aussah und gefährlich nah an die Küste kam.

Das war Ingo, ein verträumter Igelfisch, der sich nichts mehr wünschte als eines Tages das allabendliche Inselkonzert ohne Wasser in den Ohren zu hören. Überhaupt mochte Ingo, dass Wasser nicht besonders. Wasser allein war ja schon schlimm, aber dann auch noch dieses salzige Meereswasser. Jedes Mal, wenn er aus Versehen einen Schluck trank, blubberte er laut: „Igitt, Igitt!“.

Während der Insel-Inspektor das so beobachtete, bekam er fast den Eindruck, dass der Igelfisch viel lieber am Strand wäre. Während Ingo einen Schluck von seinem Ingwertee nahm, fielen ihm die vielen Inspektionen ein, die er schon erlebt hatte. Da erinnerte er sich an eine Inspektion, wo ein Affe aus einem Aquarium eine Ameisen-Ampel gebaut hatte. Das brachte ihn auf eine irre Idee. Seit diesem Ausflug hatte er immer ein faltbares Aquarium in seinem Koffer. Der Affe hatte ihm gezeigt, dass man mit einem Aquarium eine ganze Menge machen konnte. Er klebte mit Baumharz die zwei Dosen Limo, die er am Flughafen an einer Imbissbude gekauft hatte, an das Aquarium. An der Seite befestigte er ein Stöckchen mit einem Glöckchen. Auf der gegenüberliegenden Seite knotete er seine Krawatte fest. Jetzt brauchte er sie nicht mehr. Ganz vorsichtig ließ er sein irres-Insel-Mobil ins Wasser des indischen Ozeans eintauchen.

Ingo, der kleine irisfarbene Igelfisch, war irritiert von diesem komischen Ding. Aber irgendwie fand er es auch spannend. Er schwamm um alte Informationstafeln, vorbei an untergegangenen Iglus und versunkenen Indianerfiguren und dann immer wieder auf den eigenartigen Kasten zu. Ingo nahm seinen Mut zusammen und näherte sich. Er stellte seine Igelstacheln auf, um auf alles vorbereitet zu sein. Vorsichtig tauchte er in den durchsichtigen Innenraum des Dinges, wobei er mit seinen aufgerichteten Stacheln an das Glöckchen stieß.

Als Igor, dass helle Klingeln hörte, ließ er sofort seine Imkersachen fallen und lief zum Strand. Er sah, dass der kleine Igelfisch tatsächlich in das Aquarium geschwommen war. Er winkte Ingo freundlich zu. Der irisfarbene Igelfisch war etwas verwundert über den komischen Kopfschmuck des Mannes, der ihn so nett anschaute. Er trug einen Haufen Igelstacheln auf dem Kopf, so dass er aussah wie ein Igel-Indianer-Häuptling. Der zog ihn nun vorsichtig in dem Aquarium den Strand hinauf. Sie schauten einander freundlich an. Igor setzte sich neben das Aquarium von Ingo und wartete bis die Sonne unterging. Dann fingen die Insekten an, die Instrumente zu spielen. Der kleine Igelfisch streckte seinen Kopf soweit aus dem Wasser, dass seine Ohren in der Luft waren und er die Töne der Instrumente intensiv hören konnte. Ach war er froh.

Igor beobachtete den neuen Freund und fragte, ohne eine Antwort zu erwarten: „Das gefällt dir wohl, kleiner Freund?“

Und da Ingo jetzt, wenn er sprach, kein Wasser mehr schluckte, gab er zurück:

„Ja und wie. Seit die Riesenwelle uns Igel alle ins Meer gespült hatte und wir zu Fischen geworden waren, habe ich den Klang unserer Instrumente am meisten vermisst.“

Da verstand Igor auf einmal, warum das Eiland Igel-Insel hieß und zu wem die winzigen Fußabdrücke, die Stacheln und die Instrumente gehörten die er entdeckt hatte. Von da an holte Igor, der Igel-Insel-Indianerhäuptling jeden Abend einen anderen Igelfisch für das Inselkonzert aus dem Wasser.


Falls Du mehr über das Aquarium als Ameisen-Ampel erfahren willst, dann lies doch mal die Geschichte vom abenteuerlichen A.


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